Gastartikel

Lustige Ostern
Bestimmt haben Sie auch einige lustige Erlebnisse zu bieten, die Sie an Ostern gerne kolportieren. Vielleicht sind auch Sie am Ostersonntag traditionell im Wald spazieren gegangen und haben über die Köpfe der voraus laufenden Kinder hinweg heimlich Ostereier auf den Weg fallen lassen. Drehten sich die Kinder um, wusste man mit Unschuldmiene abzulenken. Eier hatte man jedenfalls nicht in der Hand.
Ob man Kinder von heute damit noch ins Staunen versetzen kann, gilt es auszuprobieren.
Früher aber schlug der Kuckuck dazu oder der Specht klopfte irgendwo in der Ferne. Ein Wald war damals noch geheimnisvoll genug, um glaubhaft zu machen, dass irgendeine Elster dem Osterhasen etwas aus der Kiepe geraubt haben musste. Vielleicht kamen die bunten Ostereier auch direkt aus einem geheimen Nest in den Bäumen. Auf jeden Fall schmeckten sie köstlich nach Nougat.

Für Kinder muss die Welt voller Geheimnisse und zuckersüßer Rätsel sein. Die kleine Annette war ein an sich gutgläubiges Kind – aber an den Osterhasen wollte sie nie glauben. Es schien doch zu unwahrscheinlich, dass ein Hase mit einer Kiepe auf dem Rücken durch die Gegend hoppeln sollte, um bunte oder gar nach Schokolade schmeckende Eier zu verstecken. Klein Annette fuhr am Ostersonntagmorgen mit dem Roller auf dem Weg hinter dem Reihenhaus entlang.
Nach dem Frühstück hatte sie ihrer Mutter gesagt, was sie vom Osterhasen-Ammenmärchen hielt. Plötzlich kreuzte ein riesiger Rammler ihren Weg. Er sprang unversehens aus dem Busch, der zum Nachbarsgarten hinter dem Zaun gehörte und versetzte Klein-Annettchen durch einen Sprung über den Roller einen solchen Schreck, dass sie mitsamt dem Gefährt umfiel.
Derweil suchte der ebenfalls erschreckte Rammler mit gekonnten Haken das Weite. Totenbleich humpelte Annettchen zur Mutter, die in der Küche den Sonntagsbraten vorbereitete. „Kind, was ist denn?“ sprach die besorgte Mutter, als sie die sonst redselige Tochter mit einem aufgeschlagenen Knie in die Küche humpeln sah.
„Der Osterhase hat mich umgerannt!“ sagte diese und schwieg den Rest des Vormittags beeindruckt. Die große Schwester, die den Vorfall von Ferne beobachtet hatte, bestätigte das Geschehen später. Gewiss waren die gefundenen Ostereier aus dem Garten an diesem Ostersonntag besonders köstlich. Nun wusste man, dass tatsächlich der Osterhase sie versteckt hatte und nicht etwa der früh aufstehende Vater.

Manches Familienoberhaupt versteckt einige der Eier jedes Jahr derart gut, dass man sie unmöglich wieder finden kann. Ein grünes Nest mit drei gekochten Eiern auf der Pergola entdecken aufmerksame Kinder, bevor ein Vogel es als Brutstätte nutzen kann. Andere Verstecke bleiben monatelang unentdeckt.
Erst eine schokoladige Kernschmelze im Sommer lässt ahnen, welch geniale Lösung ein Vater gefunden hat.
Besser man zählt die Eier vor dem Verstecken und gleicht die Funde heimlich damit ab. Tradition hat auch der gute Eierlikör, den alte Großtanten alljährlich zum Osterkaffee kredenzen.
In manchem Hause schlich sich schon ein Kind zu den leer getrunkenen Gläsern und schleckerte genussvoll die Reste aus, während die Eltern den alten Tanten in den Mantel halfen.
Die glänzenden Kinderaugen
und der hartnäckige Schluckauf anschließend sind jedenfalls keinesfalls der Trauer über den Abschied von den geliebten Tanten zuzurechnen.
Frohe Ostertage!
– Ende Gastartikel –