Alte Ansichtskarte Worms
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Alte Ansichtskarte von Worms - Motiv: Rheinbrücke: Die Ernst-Ludwig-Brücke um 1900
Diese alte Ansichtskarte (AK) zeigt die Ernst-Ludwig-Brücke in Worms mit einem Schiff auf dem Rhein. Die Brücke wurde am 26. März 1900 eröffnet und war die erste feste Straßenbrücke, die Worms dauerhaft mit dem rechtsrheinischen Hessischen Ried verband. Für Menschen mit Wurzeln in Worms, die heute in Ungarn leben, ist das Motiv mehr als ein Souvenir: Es zeigt die Stadt, wie sie um 1900 tatsächlich aussah, als Teil der Wormser Stadtgeschichte.

Welche Rheinbrücke zeigt die alte Ansichtskarte aus Worms?
Das Motiv der Karte ist eindeutig als Wormser Rheinbrücke einzuordnen und passt zur alten Ernst-Ludwig-Brücke. Als Rheinbrücke mit Schiff zeigt die Karte ein für Rheinansichten dieser Zeit typisches Motiv. Vor dem Bau dieser festen Brücke war der Rheinübergang bei Worms über lange Zeit durch Fähren und später durch eine schwimmende Brücke geprägt. Erst mit der Ernst-Ludwig-Brücke bekam die Stadt eine dauerhafte, tragfähige Verbindung über den Fluss.
Warum war die Ernst-Ludwig-Brücke um 1900 so wichtig?
Die Ernst-Ludwig-Brücke wurde zwischen 1897 und 1900 gebaut und am 26. März 1900 eingeweiht. Sie war die erste feste Straßenbrücke über den Rhein bei Worms und verband die Stadt technisch wie wirtschaftlich stärker mit dem rechtsrheinischen Raum, dem Hessischen Ried, Darmstadt und Frankfurt.
Die Konstruktion bestand aus einem Eisenfachwerk mit drei Bögen, einer aufgeständerten Fahrbahn und zwei neoromanischen Tortürmen. Den eisernen Überbau lieferte MAN Gustavsburg. Die Vorlandbrücken, Pfeiler und Türme entstanden nach Entwürfen des Architekten Karl Hofmann.
Was war damals in Worms wirtschaftlich und verkehrlich aktuell?
Um 1900 befand sich Worms in einer Phase wirtschaftlichen Wachstums. Zwischen 1880 und 1914 erlebte die Stadt einen deutlichen Aufschwung, geprägt vor allem durch die Lederindustrie. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg lebten rund 50.000 Menschen in Worms.
1900 war für die Stadt zugleich ein zentrales Brückenjahr. Neben der Straßenbrücke wurde auch die Eisenbahnbrücke über den Rhein fertiggestellt, als Teil der Strecke Worms–Biblis. Laut LAGIS Hessen wurde sie am 30. November 1900 eingeweiht. Für die Nutzung der Ernst-Ludwig-Brücke wurde bis Ende der 1920er-Jahre Brückenzoll erhoben.
Welche Rolle spielte die Brücke während der Rheinlandbesetzung?
Worms war von Ende 1918 bis Mitte 1930 von französischen Truppen besetzt. In dieser Zeit wurde der Rhein bei Worms wieder stärker als Grenze erlebt, und an der Ernst-Ludwig-Brücke gab es Grenz- und Zollkontrollen. Das Jahr 1923 gilt in dieser Besatzungszeit durch Ruhrbesetzung und Hyperinflation als besonders krisenhaft für die Rheinlande.
1930 wurde der Abzug der französischen Truppen aus Worms gefeiert. Bei diesem Anlass kam es auch zu einem kurzen Besuch von Reichspräsident Hindenburg am Rheinufer.
Was ist von der alten Rheinbrücke heute noch zu sehen?
Die ursprüngliche Ernst-Ludwig-Brücke wurde am 20. März 1945 von der sich zurückziehenden Wehrmacht gesprengt. Der linksrheinische Brückenturm blieb erhalten beziehungsweise wurde wiederhergestellt und prägt heute als Nibelungenturm die Einfahrt nach Worms.
Die heutige Nibelungenbrücke wurde 1953 eröffnet, seit 2008 ergänzt durch eine zweite, parallel verlaufende Straßenbrücke. Sie gilt als erste Spannbetonbrücke über den Rhein. Laut Ingenieurkammer Hessen wurde sie 2022 als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.
Wie lässt sich die Ansichtskarte zeitlich einordnen?
Die geteilte Anschriftseite auf der Rückseite wurde in Deutschland ab 1905 eingeführt und dient hier als grober Datierungshinweis. Damit passt die vorliegende Karte in den Zeitraum 1905 bis 1930, auch wenn das Motiv die Rheinbrücke zeigt, wie sie bereits seit 1900 das Stadtbild prägte. Eine exakte Jahreszahl für diese einzelne Karte lässt sich ohne eindeutigen Poststempel nicht belegen.
Unter Sammlern wird eine solche Karte kurz als AK bezeichnet, wobei zwischen gelaufenen und ungelaufenen Exemplaren unterschieden wird: Gelaufene Karten tragen Poststempel und Briefmarke, ungelaufene wurden nie verschickt. Ob diese Karte gelaufen oder ungelaufen ist, lässt sich ohne Prüfung der Rückseite nicht sagen.
Fazit
Die alte Ansichtskarte Worms Rheinbrücke dokumentiert die Ernst-Ludwig-Brücke, die 1900 eröffnet wurde, Worms mit dem rechtsrheinischen Raum verband und bis zu ihrer Sprengung 1945 den Rheinübergang der Stadt prägte. Zoll, Grenzkontrollen während der Rheinlandbesetzung und der Wiederaufbau als Nibelungenbrücke gehören zur Geschichte dieses Bauwerks ebenso wie die Karte selbst.
Für Menschen, die Ansichtskarten sammeln, gehört diese AK 1900 zu den gefragten Motiven aus Worms, weil sie ein bauliches Wahrzeichen vor den Zerstörungen zweier Weltkriege zeigt. Wer die Karte besitzt oder sucht, hält damit ein Zeitfenster in der Hand, das weit über ein reines Rheinmotiv hinausgeht.

Häufige Fragen zur alten Ansichtskarte Worms Rheinbrücke
Welche Brücke ist auf der alten Ansichtskarte Worms Rheinbrücke zu sehen?
Die Karte zeigt die Ernst-Ludwig-Brücke, die erste feste Straßenbrücke über den Rhein bei Worms, eröffnet 1900.
Wann wurde die Ernst-Ludwig-Brücke gebaut und wer hat sie errichtet?
Sie wurde zwischen 1897 und 1900 gebaut und am 26. März 1900 eingeweiht. Den eisernen Überbau lieferte MAN Gustavsburg, Vorlandbrücken, Pfeiler und Türme entstanden nach Entwürfen von Karl Hofmann.
Musste man für die Nutzung der Ernst-Ludwig-Brücke bezahlen?
Ja, für die Nutzung der Brücke wurde bis Ende der 1920er-Jahre Brückenzoll erhoben.
Warum wurde die Ernst-Ludwig-Brücke zerstört?
Sie wurde am 20. März 1945 von der sich zurückziehenden Wehrmacht gesprengt.
Was erinnert heute noch an die alte Rheinbrücke in Worms?
Der erhaltene beziehungsweise wiederhergestellte linksrheinische Brückenturm ist heute als Nibelungenturm zu sehen. Die heutige Nibelungenbrücke wurde 1953 eröffnet.
Wie alt ist eine Ansichtskarte mit geteilter Anschriftseite aus Worms?
Die geteilte Anschriftseite wurde in Deutschland ab 1905 eingeführt. Karten mit diesem Merkmal lassen sich grob in den Zeitraum 1905 bis 1930 einordnen, sofern kein Poststempel eine genauere Datierung erlaubt.
Quellen:
Stadtportal Worms: Nibelungenturm und Brückengeschichte
Regionalgeschichte.net: Stadtgeschichte Worms im Überblick
Regionalgeschichte.net: Kulturdenkmal Rheinübergang und Brückengeschichte Worms
Rheinland-Pfalz-Projekt: Worms unter französischer Besatzung 1918–1930
LAGIS Hessen: Einweihung der Ernst-Ludwig-Eisenbahnbrücke bei Worms
Ingenieurkammer Hessen: Nibelungenbrücke als historisches Wahrzeichen ausgezeichnet