Balatonfüred vor über 45 Jahren – eine Ansichtskarte von 1980
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Diese alte Ansichtskarte wurde 1980 aus Balatonfüred am Balaton in Ungarn nach Plauen in der damaligen DDR, heute Deutschland, geschickt. Die Karte zeigt typische Ansichten des traditionsreichen Kur- und Urlaubsortes Balatonfüred und ist heute ein kleines Stück deutsch-ungarischer Reise- und Alltagsgeschichte.

Was war los - 1980 in Balatonfüred ?
Der 155. Anna-Ball 1980 in Balatonfüred: Ein Fest der ungarischen Balltradition
Am Samstag, dem 26. Juli 1980, fand in Balatonfüred der 155. Anna-Ball statt – einer der ältesten gesellschaftlichen Bälle Ungarns. Alle Eintrittskarten waren laut zeitgenössischer Presse ausverkauft, Gäste aus vielen Ländern reisten an den Balaton. Volkskünstler aus Karcag präsentierten anlässlich des Balls ihre regionale Folklore.
Was geschah beim 155. Anna-Ball 1980 genau?
Der 26. Juli 1980 fiel exakt auf einen Samstag und damit genau auf den traditionellen Termin nahe dem Namenstag der Anna. Der Ball war international stark besucht: Neben ungarischen Gästen kamen Besucher aus neun verschiedenen Ländern an den Balaton. Die Volkskünstler aus Karcag zeigten bereits im Vorfeld eine Ausstellung ihrer Trachten und Folklore, bevor sie beim Ball selbst auftraten.
Für eine historische Ansichtskarte aus dieser Zeit ergibt sich daraus ein besonders stimmiges Bild: Sommer am Balaton, internationale Gäste, ungarische Volkskunst und eine Balltradition, die 1980 bereits auf 155 Ausrichtungen zurückblickte.
Woher stammt die Tradition des Anna-Balls?
Der Überlieferung nach veranstaltete der Gutsherr Szentgyörgyi Horváth Fülöp János am 26. Juli 1825 im Horváth-Haus in Balatonfüred einen Ball zu Ehren seiner Tochter. Diese wurde jedoch als Krisztina getauft und trug fünf Vornamen – Anna war nicht darunter. Warum der Ball dennoch ihren vermeintlichen Namen trägt, ist historisch nicht abschließend geklärt.
Der älteste schriftlich belegte Anna-Ball in Balatonfüred stammt aus dem Jahr 1836, festgehalten im Tagebuch des Politikers Miklós Wesselényi. Die heute durchlaufende Ballzählung wurde erst 1959 rückwirkend eingeführt, ausgehend von einem angenommenen ersten Ball 1826. Die Zahl "155. Ball" für 1980 ergibt sich aus dieser Konvention.
Wer traf sich beim Anna-Ball im 19. Jahrhundert?
Balatonfüred war im 19. Jahrhundert einer der bedeutendsten Kurorte Ungarns. Zu den bekannten Gästen zählten Lajos Kossuth, István Széchenyi, Miklós Wesselényi, Mór Jókai, Mihály Vörösmarty und die Schauspielerin Blaha Lujza. Der Ball war damit weit mehr als ein Tanzabend – er war ein zentraler Treffpunkt der ungarischen Reformzeit.
Wer war Kiss Ernő?
Der Überlieferung nach lernte Krisztina beim ersten Ball 1825 den Husarenoffizier Kiss Ernő kennen. Ob dieses erste Treffen wirklich auf dem Ball stattfand, gilt unter Historikern als unsicher. Kiss Ernő wurde später Honvédgeneral und 1849 als einer der dreizehn Märtyrer von Arad hingerichtet; seit 2003 verleiht die Stadt jährlich eine Herender Porzellanfigur zu seinem Gedenken.
Welche Bräuche prägen den Ball bis heute?
Seit 1962 eröffnet der Anna-Ball-Walzer von Jenő Huszka den Abend. Die Wahl einer Ballkönigin lässt sich bis 1862 zurückverfolgen; die Gewinnerin und ihre Hofdamen erhalten Vasen der Herender Porzellanmanufaktur, die Ballkönigin zusätzlich den goldenen Eris-Apfel. Jedes Jahr werden zudem alle 18-jährigen jungen Frauen aus Balatonfüred zu ihrem ersten Ball eingeladen. Seit 2022 zählt der Anna-Ball offiziell zu den Hungarika, den als kulturell besonders bedeutend anerkannten Werten Ungarns. Die Tradition lebt fort: Der 201. Anna-Ball findet am 25. Juli 2026 im Anna Grand Hotel statt.
Häufig gestellte Fragen zum Anna-Ball
Was passierte beim Anna-Ball 1980 in Balatonfüred?
Am 26. Juli 1980 fand der 155. Anna-Ball statt, mit 412 verkauften Eintrittskarten und Gästen aus neun Ländern. Volkskünstler aus Karcag zeigten dabei ihre regionale Folklore.
Warum heißt der Ball "Anna-Ball", wenn das Mädchen doch Krisztina hieß?
Die Tochter, zu deren Ehren der erste Ball veranstaltet wurde, trug den Namen Krisztina, nicht Anna. Die genaue Herkunft des Namens "Anna-Ball" ist historisch nicht abschließend geklärt.
Wer war Kiss Ernő und was hat er mit dem Anna-Ball zu tun?
Kiss Ernő war ein Husarenoffizier, der der Überlieferung nach beim ersten Anna-Ball 1825 die junge Krisztina kennenlernte. Er wurde später als einer der dreizehn Märtyrer von Arad hingerichtet; seit 2003 wird ihm zu Ehren beim Ball eine Auszeichnung verliehen.
Ist der Anna-Ball wirklich seit 1825 ununterbrochen eine Tradition?
Nein. Der erste schriftlich belegte Anna-Ball stammt aus dem Jahr 1836, und die durchlaufende Ballnummerierung wurde erst 1959 rückwirkend eingeführt.
Ist der Anna-Ball ein Hungarikum?
Ja. Der Anna-Ball in Balatonfüred wurde 2022 in die Sammlung der Hungarika aufgenommen.
Quellen:
- Hungarikumok Gyűjteménye – Magyar Értéktár: "Füredi Anna-bál", hungarikum.hu
- Veszprém Vármegyei Értéktár: "Füredi Anna-bál", ertektar.vpvarmegye.hu
- Ungarische Wikipedia: "Anna-bál"
- CsodalatosMagyarorszag.hu: "Anna-bál 2026 Balatonfüred" (Hungarikum-Status 2022, Programm 2026)
- Programturizmus.hu / GoTravel.hu: Programm und Termin des 201. Anna-Balls 2026
- Kelet-Magyarország, 3. Juli 1980, S. 5 (Hungaricana-Digitalisat) – für die Karcag-Angabe

Und in Plauen? Was war los im schönen Plauen - 1980?
Plauen 1980: Ein Jubiläumsjahr im Zeichen der Spitze
1980 stand Plauen im Zeichen seiner berühmten Spitze: Unter dem Motto „100 Jahre Plauener Spitzen“ wurde ein Jubiläum begangen, die Erzeugnisse des VEB Plauener Spitze waren nach damaligen Angaben in mehr als 40 Ländern gefragt, und im selben Jahr fand das 21. Plauener Spitzenfest statt.
Eine alte Ansichtskarte trägt oft mehr Geschichte in sich, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Das gilt auch für eine Karte aus dem Jahr 1980, die ihren Weg nach Plauen fand. Denn gerade dieses Jahr lässt sich mit einer Tradition verbinden, die bis heute untrennbar zum Namen der sächsischen Stadt gehört: der Plauener Spitze.
1980 wurde „100 Jahre Plauener Spitzen“ gefeiert
Dass dieses Jubiläum tatsächlich begangen wurde, ist heute noch anhand historischer Zeugnisse nachweisbar. In einer Museumssammlung ist eine 1980 hergestellte Wickeldecke erhalten, die ausdrücklich die Aufschrift „100 Jahre Plauener Spitzen 1880–1980“ trägt.
Noch anschaulicher wird das Jahr durch eine Aufnahme aus dem Bestand des Bundesarchivs. Das Foto entstand am 17. November 1980 im VEB Plauener Spitze. Es zeigt die Arbeiterin Ursula Weidenmüller an einer großen Stickmaschine mit einer Arbeitsbreite von zweimal 13,5 Metern. Dort entstanden hochwertige gestickte Gardinen.
Die zeitgenössische Bildbeschreibung nennt ausdrücklich das Jubiläum der Plauener Spitze. Zugleich heißt es darin, dass neben Gardinen auch Spitzentaschentücher und modische Spitzen für Damenoberbekleidung produziert wurden. Die Erzeugnisse des Betriebes seien damals in mehr als 40 Ländern der Erde gefragt gewesen.
Die Geschichte begann nicht an einem einzigen Tag
Historisch betrachtet lässt sich die Entstehung der Plauener Spitze allerdings nicht auf einen einzigen Geburtstag festlegen. Das Jubiläum von 1980 ist eindeutig belegt, doch die technische und wirtschaftliche Entwicklung erstreckte sich über mehrere Jahre.
Der Branchenverband Plauener Spitze nennt das Jahr 1881 als wichtigen Meilenstein. Damals gelang in Plauen die Herstellung maschinengestickter Tüllspitze. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Region zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Spitzen- und Stickereiindustrie.
Der große internationale Erfolg kam um die Jahrhundertwende. Im Jahr 1900 wurden Plauener Spitzenerzeugnisse auf der Pariser Weltausstellung mit einem Grand Prix ausgezeichnet.
Deshalb ist die Formulierung „1980 wurde das Jubiläum 100 Jahre Plauener Spitzen gefeiert“ historisch genauer als die Behauptung, die Plauener Spitze sei exakt im Jahr 1880 erfunden worden.
Das 21. Plauener Spitzenfest im Jahr 1980
Das Jubiläumsjahr hatte noch einen zweiten typisch Plauener Höhepunkt. 1980 fand das 21. Plauener Spitzenfest statt.
Eine historische Chronik des Festes berichtet, dass die Eröffnung mit dem damals traditionellen Tagesfeuerwerk verbunden war. Anschließend gab es Tanzvorführungen auf der Bühne des Parktheaters.
Das Spitzenfest selbst hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine lange Tradition. Das erste Plauener Spitzenfest war am 17. September 1955 eröffnet worden. Über viele Jahre fanden wichtige Veranstaltungen des Festes auf dem Gelände des Parktheaters statt.
Damit trafen 1980 zwei Geschichten aufeinander: das Jubiläum der berühmten Plauener Spitze und das 21. Fest, mit dem die Stadt ihr bekanntestes Erzeugnis feierte.
Plauener Spitze war längst in der Welt angekommen
Die Angaben aus dem Bundesarchiv zeigen, welche Bedeutung die Spitzenherstellung damals für Plauen hatte. Die Erzeugnisse des VEB Plauener Spitze waren nach der zeitgenössischen Beschreibung in mehr als 40 Ländern gefragt.
Produziert wurden nicht nur klassische Spitzenstoffe. Zum Sortiment gehörten unter anderem gestickte Gardinen, Spitzentaschentücher und modische Spitzen für Damenbekleidung.
Der Name Plauen stand damit längst nicht mehr nur für eine sächsische Stadt. Die Plauener Spitze war zu einem international bekannten Erzeugnis geworden und trug den Namen der Stadt weit über die Region hinaus.
Was eine alte Ansichtskarte plötzlich erzählen kann
Für eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1980 ist dieser Zusammenhang besonders schön. Die Karte steht nicht nur für einen Ort und ein Datum. Sie führt mitten hinein in ein Jahr, in dem Plauen eine Tradition feierte, die den Namen der Stadt über Deutschland hinaus bekannt gemacht hatte.
Während irgendwo eine Ansichtskarte geschrieben, frankiert und verschickt wurde, arbeiteten in Plauen große Stickmaschinen. Gardinen, Taschentücher und modische Spitzen gingen in zahlreiche Länder. Im Parktheater wurde das 21. Spitzenfest gefeiert. Und mit „100 Jahre Plauener Spitzen“ erinnerte man an eine textile Geschichte, die das Bild der Stadt über Generationen geprägt hatte.
Gerade deshalb passt diese Geschichte so gut zu einer alten Karte von 1980: Sie verbindet ein persönliches Stück Alltag mit einem besonderen Jahr der Plauener Stadtgeschichte.
Quellen
Bundesarchiv, Bild 183-W1117-006, Aufnahme vom 17. November 1980, Fotograf Wolfgang Thieme.
Museum-digital, Objekt „Wickeldecke 100 Jahre Plauener Spitzen 1880–1980“.
Stadt Plauen, „Geschichte der Plauener Spitze“ und „Spitzenfest-Chronik“.
Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien, Historie der Plauener Spitze.
Chronik des Plauener Spitzenfestes 1978–1980.
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