Sechs Feldpostkarten aus Montmédy von 1916 – eine Spur von Verdun bis Lampertheim
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Sechs Feldpostkarten aus Montmédy von 1916 – eine Spur von Verdun bis Lampertheim
Text Marion Schanné; Ungarn
Zwischen alten ungarischen Ansichtskarten lagen sechs Karten, die auf den ersten Blick nicht zu der Sammlung passten. Statt Budapest, Balaton oder ungarischer Kurorte zeigen sie die französische Festungsstadt Montmédy und Orte aus ihrer Umgebung.
Erst die Rückseiten machten deutlich, dass es sich um ein zusammengehöriges Konvolut handelt. Alle sechs Ansichtskarten wurden 1916 als deutsche Feldpost an dieselbe Empfängerin in Lampertheim geschickt.
Die Karten verbinden Montmédy in Frankreich, Verdun und Lampertheim in Deutschland miteinander. Sie zeigen nicht nur historische Gebäude und Straßen, sondern bewahren Feldpoststempel, militärische Dienststempel und persönliche Nachrichten aus dem Ersten Weltkrieg.
Ein unerwarteter Fund zwischen alten Ansichtskarten aus Ungarn
Die sechs französischen Feldpostkarten wurden innerhalb einer größeren Sammlung ungarischer Postkarten entdeckt. Wie sie dort hineingelangten, lässt sich heute nicht mehr feststellen.
Möglicherweise wurden unterschiedliche Familienbestände später zusammengelegt. Ebenso könnte ein früherer Sammler die Karten erworben und gemeinsam mit seinen Ungarn-Ansichten aufbewahrt haben.
Gerade bei alten gelaufenen Ansichtskarten aus Ungarn und ihrer Postgeschichte lohnt sich deshalb immer auch ein Blick auf die Rückseite. Stempel, Handschrift, Datum und Zielort können eine zunächst unscheinbare Karte in ein persönliches Zeitdokument verwandeln.
Warum gehören die sechs Feldpostkarten zusammen?
Die Karten wurden nicht als einheitliche Ansichtskartenserie produziert. Sie unterscheiden sich in Gestaltung, Drucktechnik und Aufteilung der Motive.
Zusammengehörig sind sie dennoch. Dafür sprechen mehrere deutlich erkennbare Merkmale:
- Alle sechs Karten zeigen Montmédy oder Orte aus der direkten Umgebung.
- Alle Karten wurden 1916 verschickt.
- Sie gingen an dieselbe Empfängerin in Lampertheim.
- Mehrere Karten tragen denselben Feldpoststempel.
- Auf mehreren Rückseiten erscheint derselbe violette militärische Dienststempel.
- Die Nachrichten bilden eine über mehrere Monate erhaltene Korrespondenz.
Die lesbaren Poststempel reichen vom 19. Juni bis zum 11. September 1916. Damit dokumentieren die Karten einen Zeitraum von fast drei Monaten.
Welche Motive zeigen die Feldpostkarten aus Montmédy?
Die sechs Vorderseiten zeigen nicht nur klassische Stadtansichten. Unter den Motiven befinden sich auch Straßen, Geschäfte, Menschen und ein Wochenmarkt.
Dadurch entsteht ein ungewöhnlich vielseitiges Bild von Montmédy während des Ersten Weltkriegs.
Montmédy – Burg und Kirche
Die erste Karte zeigt eine gezeichnete Ansicht der befestigten Oberstadt. Im Hintergrund erhebt sich eine große Kirche mit zwei Türmen. Davor sind Häuser und eine ansteigende Straße zu sehen.
Rechts oben steht:
„Montmédy (Burg)“
Links unten befindet sich eine nur teilweise lesbare Signatur mit einer Datumsangabe. Die ruhige Zeichnung steht in einem deutlichen Gegensatz zur militärischen Feldpost auf der Rückseite.
Montmédy und Orte aus der Umgebung
Eine Mehrbildkarte zeigt im oberen Bereich Montmédy mit der Festung auf dem Hügel.
Darunter befinden sich drei kleinere Ansichten mit den Bezeichnungen:
Chauvency-le-Château
Thonne-les-Prés
St. Hubert
Die Karte erweitert die Montmédy-Serie um Orte und Landschaften aus dem näheren französischen Umfeld.
Straßenszene mit deutschem Hinweisschild
Eine besonders auffällige Karte zeigt eine Straße in Montmédy. Mehrere Menschen stehen oder gehen auf der Fahrbahn.
An einem Gebäude ist ein großes deutschsprachiges Schild angebracht:
„Auto 20 Klm. Auspuff zu!“
Die genaue Bedeutung und Funktion der Anweisung lässt sich aus dem Bild allein nicht sicher bestimmen. Das deutsche Schild dokumentiert jedoch sichtbar die militärische Präsenz in der französischen Stadt.
Stadtplatz mit Geschäften und Pferdefuhrwerk
Eine weitere Aufnahme zeigt einen größeren Platz oder eine breite Straße im Zentrum von Montmédy.
Zu erkennen sind mehrere Geschäfte, Passanten und ein Pferdefuhrwerk. Das Motiv vermittelt einen Eindruck vom damaligen Stadtbild und vom Alltag während des Kriegsjahres 1916.
Solche Szenen sind besonders aufschlussreich, weil sie nicht nur bekannte Sehenswürdigkeiten zeigen. Sie bewahren auch frühere Geschäftsfassaden, Verkehrsmittel, Kleidung und Straßenzustände.
Montmédy – Festung und Stadt
Diese Karte besteht aus zwei übereinander angeordneten Ansichten.
Die obere Aufnahme ist beschriftet mit:
„Montmédy. Festung.“
Die untere Ansicht trägt die Bezeichnung:
„Montmédy. (Ville) Stadt.“
Damit zeigt die Karte sowohl die befestigte Oberstadt auf dem Hügel als auch die tiefer gelegene Stadt und ihre Umgebung.
Auf der Rückseite ist die Franckh’sche Verlagshandlung in Stuttgart als Herausgeber angegeben.
Wochenmarkt in Montmédy
Die sechste Ansicht trägt die Bildunterschrift:
„Wochenmarkt in Montmédy“
Vor einer Häuserzeile haben sich zahlreiche Menschen versammelt. Einige sitzen am Straßenrand, andere stehen in Gruppen zusammen.
Die Aufnahme zeigt Montmédy nicht als Festungsanlage, sondern als bewohnten Ort mit einem funktionierenden öffentlichen Leben. Gerade solche historischen Alltagsszenen besitzen einen hohen dokumentarischen Wert.
Was verraten die Rückseiten der sechs Karten?
Alle sechs Ansichtskarten wurden als Feldpost verschickt. Auf den Rückseiten befinden sich handschriftliche Nachrichten, Empfängerangaben und militärische Stempel.
Nach dem derzeitigen Lesestand tragen fünf Karten einen Stempel der:
K.D. Feldpoststation Nr. 91
Eine Karte wurde über die:
K.D. Feldpoststation Nr. 46
befördert.
Auf mehreren violetten Dienststempeln lässt sich außerdem die Bezeichnung:
„Festungs-Eisenbahn-Bau-Kompagnie Nr. 12“
erkennen.
Die Karten liefern dadurch mehrere Ebenen historischer Information. Die Vorderseiten zeigen Montmédy, die Rückseiten dokumentieren den postalischen und militärischen Zusammenhang.
Eine Korrespondenz über mehrere Monate
Alle sechs Feldpostkarten gingen an dieselbe Empfängerin in Lampertheim. Der vollständige Name und die genaue Anschrift werden im Artikel nicht veröffentlicht.
Die Nachrichten wurden mit Bleistift oder Tinte geschrieben. Teilweise ist die alte Handschrift noch gut lesbar, teilweise wird sie durch Stempel überlagert.
Unterschiede in der Schrift könnten auf mehr als einen Absender hindeuten. Sicher lässt sich dies anhand der Karten allein jedoch nicht feststellen.
Fest steht, dass die Karten über mehrere Monate hinweg an denselben Zielort geschickt und anschließend gemeinsam aufbewahrt wurden.
Warum ist der Verdun-Hinweis besonders bedeutsam?
Auf der Rückseite der gezeichneten Burgansicht steht der kurze Hinweis:
„Heimreise von Verdun“
Die Karte wurde im September 1916 geschrieben. Die Schlacht um Verdun dauerte vom 21. Februar bis zum 18. Dezember 1916. Die Nachricht entstand damit während der noch andauernden Kämpfe.
Aus diesen wenigen Worten geht nicht hervor, welche Aufgabe der Absender in Verdun hatte. Ein unmittelbarer Kampfeinsatz lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Verfasser könnte ebenso im Transport-, Eisenbahn-, Bau-, Sanitäts- oder Versorgungsbereich tätig gewesen sein. Belegt ist ausschließlich der persönliche und zeitliche Bezug zu Verdun.
Gerade diese vorsichtige Unterscheidung ist wichtig. Die Karten sollen erzählen, was tatsächlich erkennbar ist – nicht, was sich nachträglich hineininterpretieren ließe.
Welche Rolle spielte Montmédy im Ersten Weltkrieg?
Montmédy liegt nördlich von Verdun im französischen Département Meuse. Stadt und Festung wurden Ende August 1914 von deutschen Truppen besetzt.
Die vorhandenen französischen Militärlazarette wurden anschließend vom deutschen Sanitätswesen genutzt. Montmédy gehörte damit während des Krieges zum rückwärtigen deutschen Frontgebiet.
Die wiederkehrenden Stempel der Feldpoststation Nr. 91 und der Festungs-Eisenbahn-Bau-Kompagnie passen in diesen historischen Zusammenhang. Welche konkrete Tätigkeit die Absender der Karten ausübten, lässt sich daraus jedoch nicht eindeutig bestimmen.
Montmédy in Frankreich heute
Montmédy ist heute eine kleine französische Gemeinde im Département Meuse in der Region Grand Est. Die Stadt liegt in einem grenznahen Gebiet zu Belgien und wird weiterhin von ihrer hoch gelegenen Zitadelle geprägt.
Die Zitadelle von Montmédy zählt zu den großen historischen Festungsanlagen der Region. Die Oberstadt innerhalb der Befestigung und die tiefer gelegene Stadt sind noch heute deutlich voneinander zu unterscheiden.
Genau diese geografische Gliederung ist auch auf mehreren Feldpostkarten von 1916 zu erkennen. Die historischen Motive lassen sich deshalb noch heute in die Struktur der französischen Stadt einordnen.
Lampertheim in Deutschland heute
Lampertheim liegt im Süden des Bundeslandes Hessen und gehört zum Landkreis Bergstraße. Die Stadt befindet sich in der Metropolregion Rhein-Neckar nahe Mannheim und Worms.
Heute ist Lampertheim eine moderne Stadt mit guter Verkehrsanbindung. Bekannt ist sie unter anderem als Spargelstadt und durch ihre Lage zwischen Rhein, Bergstraße und den benachbarten Städten Mannheim und Worms.
Auf einigen Feldpostkarten wurde Lampertheim zusätzlich mit dem Hinweis „bei Mannheim“ bezeichnet. Diese Ergänzung erleichterte damals vermutlich die geografische und postalische Zuordnung des Zielortes.
So entsteht eine klare Verbindung: Die Karten wurden im französischen Montmédy geschrieben und gelangten per deutscher Feldpost nach Lampertheim in Hessen.
Warum sind die sechs Feldpostkarten historisch besonders interessant?
Eine einzelne Feldpostkarte zeigt meist nur einen kleinen Ausschnitt. In diesem Fall sind sechs Karten gemeinsam erhalten geblieben.
Das Konvolut verbindet:
- Montmédy in Frankreich,
- Lampertheim in Deutschland,
- den Zeitraum von Juni bis September 1916,
- unterschiedliche Ansichten derselben Region,
- zwei Feldpoststationen,
- wiederkehrende militärische Dienststempel,
- persönliche Nachrichten,
- und einen handschriftlichen Bezug zu Verdun.
Dadurch entsteht ein kleines historisches Archiv. Die Karten dokumentieren nicht nur einen Ort, sondern auch einen wiederholten Kontakt zwischen Menschen in Frankreich und Deutschland während des Ersten Weltkriegs.
Ähnliche Zusammenhänge lassen sich auch bei alten Budapest-Ansichtskarten mit historischen Postwegen entdecken. Dort erzählen Zielorte, Stempel und Jahreszahlen ebenfalls eine zweite Geschichte neben dem sichtbaren Motiv.
Ansichtskarten als Zeugnisse des Alltags
Historische Postkarten wurden ursprünglich nicht für Archive oder Museen geschaffen. Sie dienten der schnellen persönlichen Kommunikation.
Gerade deshalb sind sie heute so aufschlussreich. Sie zeigen, welche Motive verschickt wurden, welche Wege Postsendungen zurücklegten und welche wenigen Worte Menschen in außergewöhnlichen Situationen wählten.
Bei den sechs Karten aus Montmédy kommen unterschiedliche Bereiche der Geschichte zusammen:
- Orts- und Regionalgeschichte,
- Militär- und Feldpostgeschichte,
- Verkehrs- und Eisenbahngeschichte,
- Architekturgeschichte,
- Alltagsgeschichte,
- und persönliche Kommunikation.
Auch die historischen Ansichtskarten aus Bük und Bükfürdő zeigen, wie alte Gebäude, Reisewege und handschriftliche Nachrichten gemeinsam ein Bild ihrer Zeit bewahren.
Warum werden Name und Anschrift nicht veröffentlicht?
Die Empfängerangaben sind auf den Originalkarten vorhanden. Für die historische Einordnung genügt jedoch die Information, dass alle sechs Karten an dieselbe Frau in Lampertheim gingen.
Der vollständige Name und die genaue Adresse werden deshalb im Artikel nicht wiedergegeben. Auf öffentlich verwendeten Fotografien können diese Bereiche digital unkenntlich gemacht werden.
Die Originalkarten selbst sollten unverändert bleiben. Sie dürfen weder überklebt noch beschriftet oder anderweitig bearbeitet werden.
In welchem Zustand befinden sich die Karten?
Die sechs Feldpostkarten zeigen typische Alters- und Gebrauchsspuren.
Erkennbar sind unter anderem:
- leichte bis stärkere Vergilbungen,
- kleinere Flecken,
- Ecken- und Kantenabrieb,
- schwache Knicke oder Druckspuren,
- Bleistift- und Tintenschrift,
- sowie überlagerte Post- und Dienststempel.
Die wesentlichen Motive, Nachrichten und Stempel sind weiterhin vorhanden. Die Gebrauchsspuren gehören zur Geschichte der Karten und bestätigen, dass sie tatsächlich beschrieben und als Feldpost verschickt wurden.
Sechs Karten, drei Orte und eine erhaltene Geschichte
Der Fund begann mit sechs französischen Karten zwischen zahlreichen Ansichten aus Ungarn.
Bei genauerem Hinsehen entstand daraus eine nachvollziehbare Verbindung zwischen Montmédy, Verdun und Lampertheim. Die Vorderseiten dokumentieren eine französische Festungsstadt, ihre Umgebung und ihren Alltag. Die Rückseiten erzählen von Feldpost, militärischen Einheiten und persönlichen Grüßen im Jahr 1916.
Mehr als ein Jahrhundert später sind diese Karten noch immer gemeinsam erhalten.
Genau darin liegt ihr besonderer dokumentarischer Wert: Nicht eine einzelne spektakuläre Aufnahme erzählt die Geschichte, sondern das Zusammenspiel aus sechs Motiven, sechs Rückseiten und einer über Monate fortgesetzten Korrespondenz.
Wie stark alte Karten Orte und persönliche Erinnerungen miteinander verbinden können, zeigt auch der Beitrag über Ungarn-Ansichtskarten und die Geschichten früherer Reisen.
Häufige Fragen zu den Feldpostkarten aus Montmédy
Stammen alle sechs Ansichtskarten aus Frankreich?
Ja. Die Karten zeigen Montmédy und Orte aus der näheren französischen Umgebung. Sie wurden jedoch als deutsche Feldpost nach Lampertheim geschickt.
Sind die Karten eine gedruckte Ansichtskartenserie?
Nein. Gestaltung und Druck unterscheiden sich. Sie bilden aber eine zusammengehörige Korrespondenzserie, weil sie an dieselbe Empfängerin gingen und in einem gemeinsamen zeitlichen und militärischen Zusammenhang stehen.
Aus welchem Jahr stammen die Feldpostkarten?
Alle sechs Karten wurden 1916 verschickt. Die lesbaren Stempeldaten reichen vom 19. Juni bis zum 11. September 1916.
Was verbindet die Karten mit Verdun?
Auf einer Karte erwähnt der Absender eine Heimreise von Verdun. Welche Aufgabe er dort hatte, geht aus der Nachricht nicht hervor.
Wo liegt Montmédy?
Montmédy liegt im Département Meuse in der französischen Region Grand Est, nördlich von Verdun und nahe der belgischen Grenze.
Wo liegt Lampertheim?
Lampertheim liegt im Süden Hessens im Landkreis Bergstraße. Die Stadt gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und befindet sich nahe Mannheim und Worms.
Warum sollten die Karten gemeinsam dokumentiert werden?
Erst der Zusammenhang aus Motiven, Daten, Empfängerort, Feldpoststationen und Dienststempeln macht die über mehrere Monate erhaltene Korrespondenz sichtbar.
